Petr Pleva


Letztes Spiel am Freitag: Petr Pleva zieht nach über 346 Toren Schlussstrich

 

346 Tore in 355 Spielen, zwölf Jahre Vereinstreue und unzählige besondere Momente: Am Freitag endet mit dem letzten Spiel von Petr Pleva eine außergewöhnliche Karriere im regionalen Fußball. Der Torjäger spricht offen über seine Entscheidung, seine Familie, seine größten Erinnerungen - und warum für ihn nun endgültig Schluss ist.

Von Thomas Schrems

Wenn Petr Pleva am Freitagabend noch einmal das Trikot der SG Selb-Plößberg/Schönwald überstreift und zum letzten Mal den Rasen betritt, endet nicht nur die Karriere eines außergewöhnlichen Torjägers. Es endet vor allem die Laufbahn eines Spielers, der über viele Jahre zu den prägendsten Gesichtern des regionalen Fußballs gehörte - bodenständig, humorvoll, ehrgeizig und gleichzeitig stets einer, der nie den großen Mittelpunkt suchte. Dabei sprechen die Zahlen für sich. 346 Tore in 355 Spielen stehen in der anpfiff-Statistik. Werte, die selbst im Amateurfußball außergewöhnlich sind. Und trotzdem wirkt Pleva im Gespräch nie wie jemand, der sich selbst zu wichtig nimmt. Ganz im Gegenteil. „Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich im Eins-gegen-eins keinen Gegner ausspiele“, sagt er lachend. „Ich brauche die Bälle im Strafraum – und dann passiert es eben manchmal, dass ich ein Tor mache.“ Genau diese Mischung aus Bescheidenheit und unnachahmlicher Kaltschnäuzigkeit machte den tschechischen Angreifer über viele Jahre so gefährlich. Während andere mit Dribblings oder spektakulären Aktionen glänzten, stand Pleva meist genau dort, wo ein Stürmer stehen muss. „Ich weiß meistens einfach, wo ich im Strafraum stehen muss - und dann klingelt es eben“, beschreibt er seine Spielweise trocken. Dass daraus über die Jahre beinahe ein Tor pro Spiel wurde, hätte er selbst früher wohl nie erwartet. „Als ich nach Deutschland kam, hätte ich als gelernter Sechser niemals gedacht, einmal so viele Tore zu schießen.“

Viele Jahre beim TV Selb-Plößberg

 

Seine erfolgreichsten und prägendsten Jahre verbrachte Pleva beim TV Selb-Plößberg beziehungsweise später bei der SG Selb-Plößberg/Schönwald. Insgesamt zwölf Jahre lief er für den Verein auf. Eine Zeit, die ihn bis heute prägt. „In Selb-Plößberg habe ich mich immer wohlgefühlt“, erzählt er. „Sonst wäre ich niemals so lange geblieben.“ Gerade diese Vereinstreue ist im heutigen Amateurfußball längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Dabei hätte Pleva durchaus höher spielen können. Mit den damaligen Kickers Selb gelang ihm sogar der Aufstieg in die Landesliga. Doch anstatt den nächsten Schritt zu gehen, entschied er sich bewusst für die Rückkehr nach "Plößberg". „Ich kenne meine Grenzen sowie meine Stärken und Schwächen“, sagt er ehrlich. Die Kombination aus Schichtarbeit, langen Auswärtsfahrten und den hohen Anforderungen der Landesliga sei für ihn schlicht nicht mehr passend gewesen. „Ich wollte nicht nach einer Woche Spätschicht noch stundenlang fahren, um dann vielleicht 90 Minuten auf der Bank zu sitzen.“ Stattdessen entschied er sich für den Fußball, der zu seinem Leben passte - ohne Druck, dafür mit Leidenschaft und Freude. Genau das machte Pleva über all die Jahre auch bei Mitspielern und Gegnern gleichermaßen beliebt. Auf dem Platz kompromisslos, daneben immer wieder für einen lockeren Spruch oder einen Lacher gut. Einer, der nie künstlich wirkte und gerade deshalb vielerorts geschätzt wurde.

Ende steht fest

 

Dass nun Schluss ist, stand für ihn allerdings schon länger fest. „Den Gedanken aufzuhören hatte ich eigentlich schon im vergangenen Jahr“, verrät Pleva. Den endgültigen Entschluss fasste er in der Sommerpause. „Ich war mit meinem Sohn unterwegs und hatte endlich einmal Zeit, in Ruhe nachzudenken.“ Zuhause teilte er die Entscheidung dann seiner Frau mit. „Sie hat sich riesig gefreut“, erzählt er mit einem Schmunzeln. Denn inzwischen steht für den 36-Jährigen etwas anderes im Mittelpunkt. „Am wichtigsten ist für mich meine Familie. Ich möchte so viel Zeit wie möglich mit meinem Sohn verbringen.“ Gerade die vergangenen Monate hätten ihm gezeigt, wie viel Zeit der Fußball verschlingt. „Es gab Momente, da bin ich nach einem Spiel heimgekommen und habe mir gedacht, dass das verlorene Zeit war, die ich lieber mit meinem Sohn verbracht hätte.“ Der kleine Mann werde im Sommer zwei Jahre alt - und genau das habe seine Sicht verändert. Dass er sportlich wohl immer noch problemlos mithalten könnte, steht dabei außer Frage. Doch Pleva wirkt mit seiner Entscheidung vollkommen im Reinen. „Mit 36 Jahren ist es gut so.“ Und wer auf ein Comeback hofft, den bremst er direkt aus. „Viele wollten mir das nicht glauben, aber das Spiel am Freitag wird tatsächlich mein letztes sein“, stellt er klar. „Danach braucht mich niemand mehr anzurufen.“ Künftig werde man ihn nur noch als Zuschauer am Sportplatz sehen - meistens gemeinsam mit seinem Sohn. Vielleicht werde dieser irgendwann selbst Fußball spielen. „Aber das wird dann seine Entscheidung sein.“ So endet am Freitag in Erkersreuth eine Karriere, die im regionalen Fußball deutliche Spuren hinterlassen hat. Nicht nur wegen der Tore. Sondern vor allem wegen der Art, wie Petr Pleva über all die Jahre aufgetreten ist - ehrlich, bodenständig und immer mit einem Lächeln im Gesicht.

 

Mit freundlicher Genehmigung durch anpfiff.info


Unser Torjäger Petr Pleva ist zusammen mit den besten Torschützen der vergangen Corona-Saison vom kicker zum DFB-Spiel nach Wolfsburg eingeladen worden. 

     Artikel veröffentlicht am 05.08.2019 um 12:00 Uhr

     

Bescheidener Torjäger: "Bin immer der langsamste Spieler auf dem Platz"

 

Die Bilanz von Petr Pleva kann sich sehen lassen. Mit 122 Treffern in den Pflichtspielen der letzten drei Jahren und der Torjägerkanone 2018/19 in der Bezirksliga hat er zuletzt Maßstäbe gesetzt. Und auch nach der Rückkehr zu Selb-Plößberg kanoniert er jetzt fleißig weiter. Von Stolz oder gar Überheblichkeit ist er trotzdem meilenweit entfernt.   

     

Von Hans-Jürgen Wunder

 

Er trifft und trifft und trifft. Nach seiner Rückkehr zum TV Selb-Plößberg war es, als wäre der Torjäger nie weggewesen. Vier Treffer gegen die stark eingeschätzten Arzberger zum Auftakt, gar fünf Tore gegen die defensiv robusten Nageler. Und am letzten Freitag erhöhte er sein Torkonto um drei weitere Einschüsse in Arzberg. Auch wenn der Goalgetter bei der 0:2-Niederlage in Marktleuthen erstmals leer ausgegangen ist. Petr Pleva ist einfach nicht zu halten. Dabei gibt es nicht einmal einen speziellen Trainer, der ihn von Jugend auf geformt hätte, als er im tschechischen Karlsbad seine ersten Schritte hinter dem runden Leder unternahm. "Ich hatte ja sogar im defensiven Mittelfeld begonnen. Irgendwie war das verlorene Zeit", lacht er heute, wenn er sich an die Anfänge erinnert. Damals wollte der Vater unbedingt, dass er und sein zwei Jahre jüngerer Bruder Marek kicken. Für den ist aber die Karriere mittlerweile abgeschlossen. "Der hatte sich ja in Tröstau einen Kreuzbandriss zugezogen und kürzlich bei einem Hobbyturnier in Tschechien sein Comeback gestartet - und sich dabei wieder die Kreuzbänder gerissen." 

Bescheidener Charakter

Nach der Jugendzeit kickte Petr Pleva in Sokolov beim U23-Team - immerhin in der 4. Tschechischen Liga. Doch höhere Ambitionen hatte der Offensivmann nicht, wenn er augenzwinkernd und mit einem breiten Grinsen bekennt: "Ich war immer der langsamste Mann auf dem Platz, egal in welcher Liga und welcher Mannschaft ich gespielt habe." Das hinderte ihn allerdings nicht daran, sich bei Selb-Plößberg, wohin er 2011 mit seinem Bruder Marek wechselte, auf Anhieb Stammkraft zu werden. Damals noch zu Bezirksligazeiten und anschließend in der Kreisliga lief auch seine Torproduktion langsam an. "Natürlich habe ich von meiner Kopfballstärke profitiert und dass ich rechts wie links schießen kann. Früher war ich auch kämpferisch gut drauf. Mittlerweile ist es wohl eher der Instinkt. Nicht so viel laufen, aber richtig stehen", merkt er verschmitzt an. Wichtig in seiner Karriere war wohl auch, dass er bisher von schwereren Verletzungen verschont geblieben ist, wenn man von einem Nasenbeinbruch in jungen Jahren absieht. 

 

Erfolgreiche Kickers-Zeit

Auf den Torjäger wurden natürlich auch die aufstrebenden Kickers aus Selb aufmerksam. Ab Sommer 2016 schnürte der tschechische Goalgetter seine Fußballschuhe für den relativ jungen Verein und enttäuschte die Verantwortlichen nicht. Mit 45 Treffern in der Kreisklasse, 41 Einschüssen in der Kreisliga und 26 Toren in der Bezirksliga sicherte er sich in allen drei Spielklassen die Torjägerkrone. Dabei freute er sich regelmäßig über die präzisen Vorlagen eines Waldemar Schneider. "Der wusste immer genau, wo ich hinlaufe." Mit der Zeit hatte er sich natürlich einen Namen gemacht und es regelmäßig mit hellwachen und bissigen Kontrahenten zu tun. Stoppen ließ er sich trotzdem nicht. "Jeder Gegner ist schwer. Aber ich versuche einfach, mein Spiel durchzuziehen." Trotz einer grandiosen letzten Saison wollte er dann aber den Schritt der Kickers in die Landesliga nicht mehr mitmachen. "Ich arbeite im 3-Schicht-Betrieb. Da hätte ich es vom Aufwand nicht mehr geschafft", begründet er seine Rückkehr zu den Plößbergern, den er aber schon frühzeitig avisiert hatte.

 Noch ein Aufstieg?

Dass es nach seiner Rückkehr zur Müller-Elf gleich so gut läuft, hatte er zwar erhofft, konnte es aber nicht erwarten. "Ich habe mit Jan Kempe ja auch einen guten Mitspieler an meiner Seite", lobt er den jungen Stürmerkollegen, der mit von den Kickers zum Kreisklassisten wechselte. Doch für die Torproduktion ist er in erster Linie verantwortlich. "Es wäre schön, wenn ich 40 Treffer schaffen würden. Die Kumpels meinen, dass auch 50 Tore drin sind. Aber das ist mir zu hoch gegriffen. Außerdem ist es doch egal, wer die Dinger macht - wichtig ist, dass wir unsere Spiele gewinnen." Vorerst möchte er so lange kicken, wie es geht. Freilich räumt er ein, dass er sich durchaus vorstellen könnte, in der Zukunft als Trainer zu arbeiten - an manchen Tagen zumindest. "Am Montag denke ich, dass machst du irgendwann einmal und am Dienstag ist mir der ganze Aufwand neben der Arbeit dann doch zu viel", gestattet er lächelnd einen Einblicke in sein Innenleben. Vorerst will er mit seinem Team in der Kreisklasse vorne mitspielen. Und auch wenn für ihn der Aufstieg kein Muss ist, gilt für ihn nach wie vor die Devise: "Je höher, desto besser."

Quelle: anpfiff.info